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Freilichtbühne Twiste

Amateurtheater seit 1960

Anfang:

So nun bestehet jedermann. - So merket’s Euch! Das Spiel geht an.“ (Hildegard Waldschmidt)

So leitete der Herold die Uraufführung des Heimatfestspiels „Die Herren von Twiste“ am Samstag, 2. Juli 1960, vor 1.200 Zuschauern ein.

Dieser Tag war die Geburtsstunde des Freilichttheaters in Twiste und damit der Freilichtbühne und ein Höhepunkt der für alle Twister unvergessenen und mit ihrem Gemeinschaftsgeist sicherlich einmaligen 1100-Jahr-Feier. Eine große Gemeinschaft von 80 Mitwirkenden mit Pferden und einer großen Schafherde ließen die Aufführungen für die Zuschauer zu einem besonderen Erlebnis werden.

Die Idee des Freilichtspiels war in Twiste auf fruchtbaren Boden gefallen.

Schon 1961 hieß es dann „Bühne frei“ für „Wallensteins Lager“, Regie führte Willi Weyers.
 

Leider gelang es in den nächsten Jahren nicht, die jährlichen Aufführungen beizubehalten. Das Heimatfestspiel „Die Herren von Twiste“ wurde aber zum festen Bestandteil der Freischießen  der Schützengilde 1539 Twiste seit 1964, seitdem sechsmal wiederholt. Entscheidend für die weitere Entwicklung war die Verpflichtung von Eduard Thielemann, Korbach, zum Spielleiter im Jahr 1969 - der Beginn einer 33-jährigen Zusammenarbeit. Mit seinem Engagement und einer großen Anzahl junger Spieler wurde nach den erfolgreichen Aufführungen zum Freischießen 1975 ein neuer Versuch gewagt, ständig Theater auf der Freilichtbühne zu spielen.

Jedes Jahr :

Mit „Das Wirtshaus im Spessart“, einer nach dem Hauff’schen Märchen von Paul Wanner für die Freilichtbühne in Szene gesetzten Räuberpistole, gelang das Experiment. 1977 lachten die Zuschauer herzlich über „Die Weiber von Schorndorf“, die ihre wankelmütigen Männer überrumpeln.

Lohn der Arbeit war die Verleihung des „Paul-Dierich-Preises“ der HNA im Jahr 1977.

Viel Mühe und Arbeit machten bei diesen Aufführungen der Kulissenbau und die Herrichtung des Zuschauerraumes. Auf dem Platz vor dem Kyffhäuserheim mussten die Installationen immer wieder neu verlegt werden, Bänke und Stühle für die Zuschauer standen in der davor liegenden Wiese.

Bühnenbau:

So war es logisch, dass sich die Verantwortlichen der „Spielschar“ um eine ständige Lösung bemühten.

Ein erster Schritt war die Gründung des Förderkreises am 08.02.1977 unter der Schirmherrschaft von Landrat Dr. Reccius; hierdurch entstand eine Unterstützung auf breiter Basis.

Da die Verhandlungen, die Bühne am alten Platz auszubauen, scheiterten, wurde mit Unterstützung der Waldeckischen Domanialverwaltung ein geeigneter Platz 200 m oberhalb im Bachtringhäuser Tal auf der Bitter’schen Wiese gefunden. Mit einem Nutzungsvertrag hat die Domanialverwaltung das Gelände der Gemeinde und diese ihrerseits der Freilichtbühne für die Dauer des Bestehens überlassen. Wilhelm Bangert entwarf den Plan der neuen Bühne, der eine 40 m breite Bühnenfläche, 900 Sitzplätze und einen Parkplatz für 90 Pkw vorsah. Mit Unterstützung der Waldeckischen Domanialverwaltung, der Gemeinde Twistetal und einer großen Anzahl von heimischen Firmen und Handwerkern gelang es, die Freilichtbühne bis zur ersten Aufführung am 15. Juli 1978 fertig zu stellen. Die Mitglieder der Freilichtbühne erbrachten eine umfangreiche Eigenleistung durch den Bau und die Aufstellung von 180 Bänken, den Aufbau eines Umkleidegebäudes und die Verlegung von Wasserleitung und Stromkabeln. In Anwesenheit von viel Prominenz weihte der Hess. Ministerpräsident Holger Börner die neue Bühne ein.

Vereinsgründung:

Die Spielschar war bis dahin Teil der Schützengilde Twiste. Aus versicherungsrechtlichen und finanziellen Gründen wurde Anfang 1978 der neue Verein „Freilichtbühne Twiste e. V.“ gegründet. 1. Vorsitzender wurde Günther Hartmann - zuvor Vorsitzender des Spielausschusses - , der das Amt heute noch bekleidet. Nach dem Wannerstück „Das kalte Herz“ folgte 1980 erstmals mit „Aschenputtel“ ein Märchenspiel. 1982 brachten zwei Stücke  - „Die Altweibermühle“ von Paul Wanner und das Märchen „Rumpelstilzchen“ - die Zuschauerzahlen erstmals über 7.000 in einer Spielzeit.

Hinter den Kulissen:

Die Bühnenanlage wurde in den 80er Jahren weiter ausgebaut. Beschafft wurden eineBeleuchtungs- und Beschallungsanlage, Toiletten und das Kassenhaus, die  aus ehem. Kassenhäuschen der Bundesgartenschau in Kassel entstanden. Das Bühnenhaus wurde um einen großen Probenraum mit Schminkraum und Verkaufsbereich erweitert. Der Kostümfundus mit ca. 500 eigenen Kostümen und 150 Perücken erhielt ein eigenes Domizil im gemeindlichen Bauhof. Eine Scheune für die Lagerung von Kulissenteilen wurde angemietet.

Stückauswahl:

In den 80er Jahren wurden im Wechsel Abendstücke wie „Die drei Musketiere“, „Der fröhliche Weinberg“ und Märchenstücke wie „Schneewittchen“, „Dornröschen“ und „Der Teufel mit den drei goldenen Haaren“ gespielt.

1990 wurden erstmals zwei Stücke in den Spielplan aufgenommen: ein Abendstück mit „Piroschka“ und ein Kinderstück „Was für’n Zirkus“. Diese Spielplangestaltung wurde bis heute beibehalten, in einer Saison werden 24 Aufführungen (12 und 12) angeboten.

Da das Angebot der in Twiste spielbaren Volksstücke sich langsam erschöpfte, wurde 1991 die Entscheidung gefällt, in den Abendstücken Komödien auszuwählen, was bis 2001 auch praktiziert wurde. Bekannte Stücke wie „Wenn der Hahn kräht“, „Charley’s Tante“ oder „Der Raub der Sabinerinnen“ begeisterten die Zuschauer. Seit 2003 sind wieder große Volksstücke wie „Robin Hood“ im Programm.

Als Kinderstücke wurden verschiedene Märchen der Brüder Grimm, aber auch bekannte Kinderstücke wie  „Die kleine Hexe“, „ Der Zauberer von Oos“ oder „Biene Maja“ gespielt.

Während Eduard Thielemann auch weiterhin die Regie im Abendstück führte, übernahm die Spielleitung im Kinderstück seit 1993 Karl-Heinz Röhle; seit 2001 ist Andreas Müller aus Mengeringhausen zuerst im Kinderstück und dann im Erwachsenenbereich tätig. Karl-Heinz Röhle wurde in den Jahren 2003 und 2004 von Marion Israel unterstützt. Dank des intensiven Einsatzes von Bernd Stallmann wurden die letzten Stücke zunehmend mit Gesangseinlagen ausgestattet, die technische Anlage wurde entsprechend angepasst. Die Abendstücke werden weitgehend ohne Mikrofoneinsatz realisiert. Die großen Zuschauerzahlen bei den Kinderstücken machen den Einsatz von Tonübertragungen notwendig.

40 Jahre und ein Dach:

Im Jahr 2000 konnte die Freilichtbühne ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür feiern, gleichzeitig wurde ein langgehegter Wunsch erfüllt: Mit einer Teilüberdachung durch zwei ausrollbare Segel können nun ca. 400 Sitzplätze vor Sonne und Regen geschützt werden, was sich positiv auf die Zuschauerzahlen ausgewirkt hat.

      

Seit 1960 haben nunmehr rd. 150.000 Zuschauer die 473 Aufführungen der Freilichtbühne Twiste besucht, zuletzt ca. 7.500 je Spielzeit. Die Freilichtbühne unterhält freundschaftliche Verbindungen zu den Nachbarbühnen in Niederelsungen, Korbach und Emstal in der Arbeitsgemeinschaft nordhessischer Freilichtbühnen und ist Mitglied im Verband Deutscher Freilichtbühnen, Region Nord, und im Landesverband der Hess. Amateurtheater. Regelmäßig beteiligt sich die Freilichtbühne am Festzug des Arolser Viehmarktes und am Mittelalterlichen Markt in Korbach.

Der Verein hat 280 Mitglieder, von denen rd. 120 auf und hinter der Bühne aktiv sind. Der große Anteil von Jugendlichen zeigt, dass gerade für diese Altersgruppen in der Palette der Twister Vereine eine Lücke geschlossen wurde. Gemeinsame Arbeit in einer großen Gruppe, die auch Disziplin und Anstrengung erfordert, das Spiel vor Zuschauern mit dem unvermeidlichen Lampenfieber, aber auch fröhliches Beisammensein dürften gerade für die Persönlichkeitsentwicklung eines Jugendlichen positive Auswirkungen haben.

Ausblick:

Die Freilichtbühne Twiste will kein Experimentiertheater machen, sondern Theater bieten, das unterhält und vielleicht auch mit einem Schuss Besinnlichkeit gemischt ist. Nur wenn die Spieler Spaß an der Sache haben, kann sich diese Begeisterung auch auf das Publikum übertragen.



 
 
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